"Stich ins Wespennest": Charmant und hintergründig!

 

altWenn Sie einmal etwas anderes als "mainstream" lesen möchten empfehle ich Ihnen "Stich ins Wespennest" von D. E. Stevenson. Auf 350 Seiten zeichnet die Schriftstellerin ein feinsinniges, hintergründiges Gesellschaftsportrait, das zwar in den späten 1920er Jahren spielt, doch nichts an Aktualität eingebüßt hat. Man fände sicherlich ähnliche Charaktere im heutigen Heideck und die Geschichte würde einen ähnlichen Wirbel auslösen...

Welche Geschichte ist das? Barbara Buncle braucht Geld und beschließt - da es ihr an Vorstellungskraft und Kreativität mangelt -, über die Menschen in ihrem kleinen beschaulichen Städtchen Silverstream zu schreiben: über all die guten und auch schlechten Eigenschafte ihrer Mitmenschen, natürlich leicht abgeändert, aber durchaus wiedererkennbar.

Die Story beginnt in einer Bäckerei, die morgens als erstes in dem Städtchen erwacht. Von hier aus wird der Leser in das Dorf eingeführt, und zwar in der zeitlichen Reihenfolge, in der auch die Brötchen jeden Morgen ausgeliefert werden. Um 9 Uhr morgens gelangt der Leser schließlich zur Protagonistin Barbara Buncle und zu ihrer Dienstmagd Dorcas.

Was in dem Städtchen passiert, als das Buch erscheint und die ersten Leser findet, schildert D. E. Stevenson in einem stillen, unverhüllten und ehrlichen Stil, der einem das Buch ans Herz wachsen lässt. "Weniger ist mehr" passt in hervorragender Weise zu diesem Buchschatz, der 2011, fast 80 Jahre nach der ersten Veröffentlichung, neu aufgelegt wurde.