Buchtipp "3096 Tage" von Natascha Kampusch

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Im Alter von 10 Jahren wird Natascha Kampusch von Wolfgang Priklopil entführt und verbringt die nächsten 3096 Tage ihres Lebens größtenteils in einem Keller, in dem es kein Tageslicht, keine Privatsphäre, keine Hoffnung auf Entkommen gibt. Sie lebt unter ständiger Kontrolle und Beobachtung, wird wegen Nichtigkeiten bestraft, wird misshandelt und gedemütigt. Nach 8 1/2 Jahren gelingt ihr die Flucht und sie versucht, ihre unvorstellbaren Erlebnisse zu verarbeiten und ihr Leben in die Hand zu nehmen.

Natascha Kampuschs Geschichte ist ebenso erschütternd wie beeindruckend. Mit unglaublicher Energie und Entschlossenheit hat sie es geschafft, ihre entsetzliche Zeit in Priklopils Keller in Worte zu fassen und auf Papier zu bringen. Sie sieht ihren Peiniger als komplexe Person mit guten und schlechten Eigenschaften, ihre Zeit bei ihm unter positiven und negativen Gesichtspunkten. Dabei werden psychische Phänomene wie dissoziative Zustände sehr glaubhaft geschildert und stimmig beschrieben und von ihren Erfahrungen wird eher sachlich und nie reißerisch oder weinerlich erzählt. Sensationslüsterne Szenen bleiben dem Leser bis auf einen kurzen Tagebuchausschnitt weitestgehend erspart.

Zusammenfassend ist es ein Buch, welches beim Lesen immer wieder zum Nachdenken anregt und schockiert, zu welch grausamen Taten Menschen fähig sind. Man kann sich durch die Erzählweise gut in Natascha hineinversetzen und fiebert dadurch in gewisser Weise mit ihr mit.